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Wenn es schwerfällt, Hilfe anzunehmen – Psychologische Hürden verstehen

  • info6388146
  • Nov 10, 2025
  • 2 min read

Sich Hilfe zu holen – das klingt eigentlich einfach. Doch viele Menschen zögern genau dann, wenn sie Unterstützung am meisten brauchen. Ob in belastenden Lebensphasen, bei psychischer Überforderung oder innerer Leere: Der Schritt zur Hilfe fällt oft schwerer als erwartet. In diesem Artikel beleuchte ich psychologische Hürden, die uns davon abhalten können, Unterstützung anzunehmen – und zeige Wege auf, wie du trotz dieser Hürden in Kontakt mit dir und anderen kommen kannst.

haltende Hände

Warum fällt es vielen so schwer, Hilfe anzunehmen?

Psychologisch gesehen ist das Annehmen von Hilfe ein komplexer Akt. Es bedeutet, sich selbst als verletzlich zu zeigen und das kann innere Widerstände aktivieren. Häufige Gründe sind:

  • Der Wunsch nach Autonomie („Ich muss das alleine schaffen.“)

  • Angst vor Bewertung („Ich will nicht schwach erscheinen.“)

  • Verinnerlichte Glaubenssätze („Andere sind wichtiger als ich.“)

  • Scham oder frühere Enttäuschungserfahrungen


Diese inneren Haltungen sind oft tief verankert – und führen dazu, dass Menschen lieber weiterfunktionieren, als sich jemandem mitzuteilen.


Was sagt die Forschung?

Studien zeigen: Menschen mit einer hohen Selbstkritik neigen dazu, psychologische Hilfe seltener in Anspruch zu nehmen (Kannan & Levitt, 2013). Auch das sogenannte Hilfevermeidungsverhalten wurde wissenschaftlich untersucht – und zeigt Zusammenhänge mit Perfektionismus, Angststörungen und internalisierter Scham (Vogel et al., 2006). Gleichzeitig belegen zahlreiche Studien die Wirksamkeit psychotherapeutischer Unterstützung: Schon nach wenigen Sitzungen lassen sich positive Veränderungen im emotionalen Erleben und im Stresslevel nachweisen (Cuijpers et al., 2016).


Wie du die Hürde überwindest

Der erste Schritt ist oft nicht der zur Therapie – sondern der zu dir selbst. Fragen, die helfen können:- Was macht es mir so schwer, Hilfe zuzulassen?- Was würde ich einer guten Freundin raten, die sich gerade so fühlt wie ich?- Was könnte sich in meinem Leben verändern, wenn ich mich traue, Unterstützung zuzulassen?Hilfreich kann es auch sein, kleine Schritte zu wählen – etwa erst ein Informationsgespräch zu führen oder einen ersten Telefonkontakt zu suchen. Wichtig ist: Du musst dich nicht erklären oder rechtfertigen. Du darfst einfach sein – mit dem, was gerade ist.


Online-Therapie als niederschwelliger Einstieg

Gerade für Menschen, die Hemmungen vor dem klassischen Setting haben, kann Online-Therapie eine gute Möglichkeit sein. Sie bietet Flexibilität, Vertrautheit der eigenen Umgebung und geringere Hürden – ohne an Tiefe oder Wirksamkeit zu verlieren. In meiner Praxis erlebe ich oft, wie entlastend es ist, sich erstmal im geschützten Raum des Bildschirms mitzuteilen.


Fazit: Hilfe anzunehmen ist ein Akt der Stärke

Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, schwach zu sein – sondern sich selbst ernst zu nehmen. Es ist ein Schritt in Richtung Selbstfürsorge, Verbindung und innerer Erlaubnis. Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, darfst du wissen: Du bist nicht allein. Und du musst nicht alles alleine tragen.


Quellen & Literatur:

  • Biddle, L., Gunnell, D., Sharp, D., & Donovan, J. L. (2004). Factors influencing help seeking in mentally distressed young adults: a cross-sectional survey. British Journal of General Practice, 54(501), 248–253.

  • Rickwood, D., Deane, F. P., Wilson, C. J., & Ciarrochi, J. (2005). Young people's help-seeking for mental health problems. Australian e-Journal for the Advancement of Mental Health, 4(3), 218–251.

  • Vogel, D. L., Wade, N. G., & Haake, S. (2006). Measuring the self-stigma associated with seeking psychological help. Journal of Counseling Psychology, 53(3), 325.

  • Corrigan, P. W. (2004). How stigma interferes with mental health care. American psychologist, 59(7), 614–625.

 
 
 

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