top of page
freepik__candid-photography-with-natural-textures-and-highl__23206.png

Persönlichkeitsstörung 

Wie bemerke ich eine Persönlichkeitsstörung?

Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte, überdauernde Muster im Denken, Fühlen und Verhalten, die zu innerem Leiden und Problemen im sozialen oder beruflichen Leben führen.

​

Typische Merkmale:

  • Starre Beziehungsmuster (z. B. Misstrauen, Abhängigkeit, Nähe-Distanz-Probleme)

  • Starke Selbstzweifel oder instabiles Selbstbild

  • Emotionale Dysregulation (z. B. intensive Stimmungsschwankungen)

  • Impulsivität, Rückzug, Wutausbrüche oder Selbstschädigung

  • Schwierigkeiten, Kritik zu tolerieren oder Verantwortung zu übernehmen

​

Betroffene erleben sich oft als „zu sensibel“ oder „anders“ – oder stoßen immer wieder auf ähnliche Konflikte.
 

Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen?

Persönlichkeitsstörungen sind relativ häufig – sie werden jedoch oft spät erkannt.

​

Laut Studien (z. B. Tyrer et al., 2022; WHO, 2023):

  • Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung: ca. 10–13 %

  • Höhere Raten in klinischen Stichproben

  • Am häufigsten: emotional-instabile (Borderline), ängstlich- vermeidende, narzisstische und zwanghafte PS

  • Erste Anzeichen zeigen sich meist im Jugendalter

​

Viele Betroffene leiden lange unter den Folgen, bevor sie eine Diagnose erhalten.
 

Neurobiologie von Persönlichkeitsstörungen

Auch bei Persönlichkeitsstörungen finden sich neuronale Korrelate.

​

Neurobiologische Befunde (u. a. bei Borderline-PS):

  • Überaktivität der Amygdala (verstärkte emotionale Reaktion)

  • Verminderte Aktivität im präfrontalen Kortex (Impuls- und Emotionsregulation)

  • Geringere Dichte in frontolimbischen Netzwerken

  • Dysbalance im serotonergen und dopaminergen System

​

Diese Veränderungen können durch Psychotherapie positiv beeinflusst werden.

Ursachen – Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?

Die Entwicklung erfolgt im Zusammenspiel genetischer und psychosozialer Faktoren.

​

Häufige Einflussfaktoren:

  • Frühe emotionale Vernachlässigung oder Missbrauch

  • Chronisch instabile Bezugspersonen oder unsichere Bindungserfahrungen

  • Temperamentsfaktoren (z. B. emotionale Sensitivität, Impulsivität)

  • Traumatische Erfahrungen in Kindheit oder Jugend

  • Fehlende Möglichkeiten, adaptive Bewältigungsstrategien zu erlernen

​

Persönlichkeitsstörungen sind keine „Charakterschwächen“, sondern nachvollziehbare Anpassungen an belastende Lebensbedingungen.
 

Wie hilft Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen?

Psychotherapie gilt als wirksamste Methode zur Veränderung dysfunktionaler Persönlichkeitsmuster.

​

Bewährte Verfahren:

  • Schematherapie: Arbeit mit inneren Anteilen und maladaptiven Mustern

  • Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT): besonders bei Borderline-PS (Emotionsregulation, Achtsamkeit)

  • Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT): Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung

  • Kognitive Verhaltenstherapie bei spezifischen PS (z. B. zwanghaft, vermeidend)

​

Ziele sind mehr Selbstkontrolle, stabile Beziehungen und ein kohärenteres Selbstbild.

Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen

Medikamente behandeln keine Persönlichkeitsstörung direkt – sie können jedoch begleitende Symptome (z. B. Depression, Angst, Impulsivität) lindern.

​

Einsatzbereiche:

  • SSRI bei affektiver Instabilität, Angst oder Zwängen

  • Stimmungsstabilisierer (z. B. Lamotrigin) bei Impulsivität

  • Antipsychotika in niedriger Dosierung bei starker innerer Anspannung

​

Medikamentöse Behandlung erfolgt durch Fachärzt*innen.

Warum ist Online-Therapie bei Persönlichkeitsstörungen sinnvoll?

Online-Therapie kann auch bei Persönlichkeitsstörungen effektiv sein – insbesondere bei stabiler Lebenssituation.

​

Vorteile:

  • Kontinuität trotz Wohnortwechsel oder Reisen

  • Niedrigschwelliger Zugang – besonders bei Scham oder Rückzug

  • Gute Wirksamkeit in stabilisierenden und schematherapeutischen Settings

  • Flexible Terminplanung, keine langen Anfahrtswege

​

Bitte beachten Sie:
Eine akute Suizidalität stellt eine Kontraindikation für Online-Therapie dar. In solchen Fällen ist eine sofortige persönliche Abklärung über den psychiatrischen Notdienst oder im stationären Setting erforderlich.

Wann sollte man sich Hilfe holen?

Wenn Sie…

  • sich wiederholt in schmerzhaften Beziehungsmustern wiederfinden

  • unter starker innerer Anspannung oder Instabilität leiden

  • das Gefühl haben, sich selbst nicht zu verstehen

  • emotionale Krisen Sie häufig aus der Bahn werfen

​

…kann Psychotherapie Struktur, Orientierung und nachhaltige Veränderung ermöglichen.

Quellen & Studien

  • Tyrer, P. et al. (2022). Epidemiology and classification of personality disorders. The Lancet Psychiatry.  

  • WHO (2023). International Classification of Diseases – ICD-11: Personality Disorders.  

  • Bateman, A. & Fonagy, P. (2021). Mentalization-based treatment for personality disorders. World Psychiatry.  

  • Arntz, A. et al. (2020). Schema therapy for borderline personality disorder. Behaviour Research and Therapy.  

  • Stoffers-Winterling, J. et al. (2023). Psychotherapy for borderline personality disorder: Cochrane review. Cochrane Database.

     

bottom of page